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Anja Budnick ist glücklich, dass sie mehrmals in der Woche ins Wittekindshofer Kunstatelier kommen kann. Manchmal malt sie auch traurige Bilder, wie den großformatigen Jesus, der weint.
Bad Oeynhausen/ Bielefeld (AM). „Ich male aus meiner Seele. Wenn ich anfange, weiß ich manchmal noch nicht, was entsteht. Das kommt von innen", erklärt Anja Budnick. Die junge Frau ist eine von rund 70 Besucherinnen und Besucher, die regelmäßig in das Wittekindshofer Kunstatelier am Dorfplatz in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen kommt. Während die meisten zu einer der neun Kunstgruppen oder zum Schnupperkurs kommen, gehört Anja Budnick zu den Künstlerinnen und Künstlern des Offenen Ateliers, die mehrmals in der Woche das Kunstatelier nutzen können.
Malen ist für Anja Budnick zu einem wichtigen Lebensinhalt geworden. Das war nicht immer so. „Vor zwei Jahren ging es mir nicht gut und ich war länger in der Klinik. Da konnte man Malen und ich habe gemerkt, das mir das gut tut", berichtet die Künstlerin, die mittlerweile eine große Schublade im Kunstatelier mit eigenen Bildern füllen kann. „Beim Malen denke ich an meinen Vater. Der ist schon zehn Jahre tot oder meine Schwester. Aber ich komme auch, wenn ich nicht gut drauf und wütend bin, dann kann ich mich abreagieren und komme zur Ruhe. Hier sind Menschen, zu denen ich Vertrauen habe. Andrzej kennt mich gut und weiß, wann er mich in Ruhe lassen muss und wann ich Nähe brauche", berichtet Anja Budnick, die schon als Kind in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof gewohnt hat. Blumen, Gesichter und Jesus sind häufig wiederkehrende Motive auf ihren Werken. „Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, male ich Syltbilder", erklärt die junge Frau und ihre strahlenden Augen verraten, dass mit der Insel schönste Erinnerungen verbunden sind. Kunstpädagoge Andrzej Socala ist begeistert von der Kreativität der jungen Künstlerin: „Es ist unglaublich, wie sie ein Thema variieren kann. Immer wieder überrascht sie uns mit vollkommen neuen Ideen."
Manchmal kommt Anja Budnick schon vor der Arbeit ins Kunstatelier oder nutzt die Pause bei den Montagearbeiten aus den Wittekindshofer Werkstätten zum Malen. „Andere fragen, was sie machen sollen, brauchen Anregungen und lassen sich von Werken großer Künstler inspirieren. Anja braucht das nicht, weil sie einen reichen Bilderschatz in sich trägt. Aber sie nimmt auch sehr genau wahr, wenn die anderen im Atelier an einem Thema arbeiten. Das greift sie gerne auf", berichtet Andrzej Socala, für den Freiwilligkeit und der Spaß am Malen und kreativen Gestalten, zwei Grundprinzipien des Kunstateliers sind. „Wir verfolgen in erster Linie weder ein therapeutisches Ziel, noch geht es uns darum, mit unserer Kunst möglichst viel Geld zu verdienen. Beides sind positive Nebeneffekte. Im künstlerischen Schaffen erleben Menschen mit Behinderung, dass sie selbstwirksam sind, dass sie Spuren hinterlassen und selbst etwas schaffen können. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein, fördert ihre Wahrnehmung und lässt so ihre Persönlichkeit zur Entfaltung kommen. Diese Effekte werden erheblich verstärkt, wenn sie erleben, dass sie andere Menschen mit ihrer Kunst beeindrucken können oder jemand ihr Kunstwerk sogar kaufen möchte", berichtet der Kunstpädagoge.
Ein ganz besonderes Lob hat Anja Budnick aus Bielefeld erhalten. Sie hatte an dem bundesweiten Kunstwettbewerb für Menschen mit Behinderung teilgenommen, den dievon Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel unter dem Titel „Der Lebenskreis - von der Geburt bis zum Sterben und darüber hinaus" ausgeschrieben hatten. Ein Bild von Anja Budnick gehört zu den 30 ausgewählten Kunstwerken, die in einer Wanderausstellung unter anderem in Trier, Borkum, Cottbus, Schwerin und im Europaparlament in Straßburg gezeigt werden. Zur feierlichen Eröffnung mit dem Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen und dem Betheler Vorstandsvorsitzenden Pastor Ulrich Pohl ist die Wittekindshofer Künstlerin am morgigen Dienstag, 13. April, in die Bielefelder Zentralbibliothek eingeladen. Anja Budnick ist stolz, dass ihr Kunstwerk ausgewählt wurde und freut sich, dass ihr Bild zusammen mit einem Werk von Uwe Jauch gezeigt wird, ihrem großem Vorbild im Kunstatelier Wittekindshof, der ebenfalls erfolgreich an dem Kunstwettbewerb teilgenommen hat. Während die beiden Kunstwerke mit der Betheler Ausstellung auf Wanderschaft gehen, werden im Wittekindshof zurzeit über 100 Werke von rund zwanzig Künstlerinnen und Künstlern gerahmt. Sie werden ab Pfingstsonntag in der Ausstellung „durch blicke" in der Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen gezeigt. Auch Kunst von Anja Budnick wird im Mai und Juni vier Wochen lang in der großen Ausstellung „durch blicke" zu sehen sein.