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Gronau (AM). Zwischen dem Umzug der Schülergruppe in den Neubau an der Gronauer Königsstraße und dem Anrücken der Handwerker sind keine drei Wochen vergangen. Bereits in den Sommerferien wird die Diakonische Stiftung Wittekindshof im ehemaligen Schülerhaus an der Brookstraße im Gronauer Westen eine spezialisierte Wohngruppe für sieben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Prader-Willi-Syndrom (PWS) mit einen Kurzzeitwohnplatz eröffnen. Die seltene Behinderung beruht auf einer Veränderung des 15. Chromosomens und ist mit einer angeborenen Esssucht, Stoffwechselbesonderheiten, einer meist leichten Intelligenzminderung und herausforderndem Verhalten verbunden. Das Zusammenleben mit PWS-Betroffenen ist vor allem durch plötzliche Stimmungsschwankungen und Verhaltensbesonderheiten oft sehr schwierig. „Wir wollen ihnen ein Lebensumfeld anbieten mit enger pädagogischer und psychologischer Begleitung, verlässlichen und nachvollziehbaren Strukturen, im Alltag verankerter Gesundheitsfürsorge, gemeinsamen Aktivitäten und Rückzugsmöglichkeiten, als eine Möglichkeit, Konflikte zu vermeiden", erklärt Norbert Hödebeck-Stuntebeck, der seit 1998 spezialisierte Wohn-, Arbeits- und Freizeitangebote für Menschen mit PWS in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof aufbaut und sich am internationalen Fachaustausch über die seltene Behinderung beteiligt, weswegen der Diplom-Psychologe in dieser Woche an der 7. Internationalen PWS-Weltkonferenz teilnimmt.
In Gronau werden derweil einige neue Wände im ehemaligen Schülerhaus gezogen und alles für den Einzug vorbereitet. „Wir brauchen eine separate Küche und für jeden ein Einzelzimmer. Wichtig ist die fachspezifische Vorbereitung der Mitarbeitenden in der neuen Wohngruppe, aber auch in der Johannesschule, die die Kinder und Jugendlichen besuchen werden", betont der Wittekindshofer Diplom-Psychologe, der dabei auf ein Schulungsprogramm zurückgreifen wird, was sich bereits bei anderen Mitarbeiterteams bewährt hat und theoretisches Wissen mit Praktika in den drei Wittkindshofer PWS-Wohngruppen in Lübbecke und Herne kombiniert.
Der Wittekindshof ist in Nordrhein-Westfalen der einzige Anbieter von spezialisierten Wohngruppen für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom. Die Gronauer Wohngruppe wird bundesweit die zweite Wohngruppe für Kinder und Jugendliche mit PWS sein. „In den letzten Jahren haben immer mehr Familien nach einem entsprechenden Angebot gefragt, weil sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gekommen sind und mehr Unterstützung benötigen als ambulant möglich ist. Außerdem wollen sie ihrem Kind möglichst frühzeitig Alternativen anbieten, um wiederholte Psychiatrieaufenthalte und schwerwiegende Langzeitprobleme zu vermeiden", berichtet Norbert Hödebeck-Stuntebeck. Auch wenn die Liste der interessierten Familien lang ist, sind noch nicht alle Plätze vergeben.
Einer der nach außen markantesten Unterschiede zu anderen Wohngruppen werden die festgelegten Essenzeiten und Zwischenmahlzeiten sein. „Menschen mit PWS haben ein vermindertes Sättigungsgefühl und deswegen häufig Hunger. Die Essenszeiten werden exakt eingehalten. So können sie sich von dem Gedanken lösen, sich immer wieder etwas zu essen organisieren zu müssen. Dann haben sie die Chance, sich beispielsweise in der Schule auf etwas anders zu konzentrieren oder Hobbys zu entdecken", berichtet der Wittekindshofer PWS-Spezialist. Ziel aller Unterstützung und Begleitung ist die Förderung der Selbständigkeit und die schrittweise Übernahme von Verantwortung. „Verständnis ist eine Grundhaltung, weil wir wissen, dass es syndromspezifische Verhaltensbesonderheiten gibt, da viele PWS-Betroffene größte Probleme beim Perspektivwechsel haben und sich deswegen schwer in die Lage eines anderen Menschen hineinversetzen können. Da aber auch dieser Personenkreis große Entwicklungsmöglichkeiten hat, sollen Kinder und Jugendliche mit PWS die notwendige Unterstützung erhalten, um zu lernen mit ihren innerpsychischen Konflikten so umzugehen, dass mehr Lebensqualität für alle möglich ist", erklärt Norbert Hödebeck-Stuntebeck.
Kontakt: Diakonische Stiftung Wittekindshof, Norbert Hödebeck-Stuntebeck, Tel.: (0 57 34) 61-12 88 oder Aufnahmekoordination: Ella Buresch, Tel.: (0 25 62) 9 16-1 03.